Flexible Nachrüstung mit KNX- Funktechnologie

Erweiterung von kabelgebundenen Systemen

Die Möglichkeiten von KNX-Systemen für die Gebäudenutzung sind vielfältig, doch nicht jeder Bau ist mit BUS-Leitungen ausgestattet. In diesem Fall sollen KNX-Funksysteme eine flexible Lösung zur einfachen Nachrüstung und Erweiterung bestehender Systeme ermöglichen, um von Smart Building profitieren zu können.

Was kann ein TGA-Ingenieur tun, wenn vorhandene kabelgebundene KNX-Systeme in Wohn- oder Gewerbegebäuden nicht mehr der aktuellen Raumnutzung entsprechen oder um zusätzliche Komponenten erweitert werden sollen? Bisher war dies entweder kaum möglich oder mit hohen Kosten verbunden, da die Installation von BUS-Leitungen sehr aufwändig ist. Verzichtet man jedoch auf die Leitungen und sendet die Signale drahtlos, wird die nachträgliche Installation wesentlich einfacher. Auf diese Weise lässt sich auch in Bestandsgebäuden ein KNX-basiertes Smart Building-System funktional nachrüsten.

Erweiterung per Funk-Komponenten

Bestehende KNX-Installationen eines Wohn- oder Gewerbegebäudes werden für spezifische Anwendungsfälle wie Büros, Besprechungsräume, Flure, Teeküchen oder Umkleiden geplant, wobei jeder Raum seine spezielle KNX-Ausstattung erhält. Wie lassen sich diese Installationen nun an eine geänderte Nutzung anpassen? Und wie können auch nachträglich Komponenten und Funktionen ergänzt werden, ohne dabei die Wände aufreißen zu müssen? Die Lösung heißt Medienkoppler. Dieser integriert neue Komponenten in das bestehende KNX-System, wobei die neuen Funk Frequenz-(RF)-Aktoren ihre Informationen drahtlos empfangen – anstatt wie bisher über BUS-Leitungen.

Mit seiner aktuellen Firmware wird die Segmentierung von Linien in der ETS 6 unterstützt, was die einfache Nachrüstung bestehender Systeme mit RF-Komponenten ermöglicht. Als Beispiel für die Umsetzung bietet sich das System „UP RF-Aktoren“ von Theben an. Dieses ist in Unterputzdosen einsetzbar und mit jedem bekannten Schaltersystem kombinierbar. Zusätzlich bieten alle KNX Unterputz-Funkaktoren mittels KNX Data Secure eine verschlüsselte, manipulationssichere Kommunikation.

Einbautiefe beachten

Auf umfangreiche bauliche Maßnahmen kann bei der Installation des Funk-Systems in den meisten Fällen verzichtet werden. Allerdings haben verschiedene bauliche Gegebenheiten in den Bestandsbauten einen direkten Einfluss auf die Gestaltung und die Möglichkeiten des Funk-Systems. Ein erster Blick gilt der Einbautiefe der Gerätedosen, in denen die Unterputz-Funkaktoren installiert werden. Denn während die normale Einbautiefe von Gerätedosen 46 mm beträgt, benötigt ein Aktor 66 mm. Daher müssen gegebenenfalls die UP-Dosen vor der Installation jener Aktoren ausgetauscht werden. Einfacher ist die Anpassung bei Hohlwanddosen, die standardmäßig 49 mm tief sind – oder als Variante mit 62 mm. Aufgrund der Trockenbauweise der Wände sollte der Austausch schnell, sauber und unproblematisch verlaufen. Auch wäre es möglich, Elektronikdosen einzubauen, deren kleiner Installationskasten unterhalb der Dose Platz für die Bauteile bietet. Entscheidend für die Funktionsfähigkeit des Systems und die Erreichbarkeit der Aktoren ist die Platzierung des Medienkopplers. Hier ist es wichtig, die räumliche Anordnung der Geräte zu berücksichtigen und die Funktion „Retransmitter“ gezielt einzusetzen. Auch der Medienkoppler kann als Retransmitter konfiguriert werden, was dann sinnvoll ist, wenn dieser zentral platziert wird und RF-Geräte Telegramme von Geräten auf der gegenüberliegenden Seite empfangen müssen.

Unabhängig vom System

Smart Building-Systeme auf KNX-Basis sind herstellerunabhängig und stehen somit im Gegensatz zu proprietären Systemen, die davon abhängig sind, dass der Hersteller auch weiterhin Support liefert. In den letzten Jahren zeigte sich mehrfach, dass dies leider nicht immer der Fall ist. Die KNX-Funktechnologie hat gegenüber diesem System einen großen Vorteil: Unabhängig vom Hersteller sind alle Bauteile miteinander kompatibel. Daraus folgt eine hohe Investitionssicherheit für Projektverantwortliche. Installateure oder Integratoren ermöglicht diese Unabhängigkeit die freie Wahl – und insbesondere Kombination – der eigenen favorisierten Produkte. So kann bspw. für die Dimmfunktion ein Produkt von einem Hersteller gewählt werden, während für die Heizungsfunktion ein anderer zum Einsatz kommt.

Auch ohne BUS-Installation

Und was macht ein Ingenieur, wenn gar keine BUS-Installation in einem Bestandsgebäude vorhanden ist? Für diesen Fall bietet bspw. Theben mit „LUXORliving Smart Start“ ein Smart Home-System auf Funkbasis an, welches ohne ETS konfiguriert wird und sich für die Nachrüstung eignet. Die Steuerungsaufgaben übernimmt die Systemzentrale IP-RF. Schalten, Dimmen und Jalousiesteuerung werden von kompakten RF-Taster-Aktor-Modulen erledigt, welche zuvor in der Schalterdose installiert werden. Mit überschaubarem Aufwand kann auf diese Weise auch in kleinen Einheiten ein Funksystem installiert werden. Ein Beispiel: Ein Wohnbereich wird modernisiert und künftig sollen Jalousien oder Rollläden nicht mehr manuell betätigt werden müssen, sondern über einen Elektroantrieb. Oder etwas größer gedacht: Nach Kauf einer Eigentumswohnung soll diese nun mit smarten Funktionen ausstattet werden – auch das ist mit einem KNX RF-Funksystem möglich.

Technologie mit Zukunft

Die Erweiterung oder Neueinrichtung eines KNX-Systems wird in Zukunft durch die Funktechnologie also bedeutend einfacher. Für den Gebäudebestand ist das eine gute Nachricht, denn er ist dadurch ohne großen Baustellenaufwand schnell und günstig aufzuwerten. In Zeiten, in denen der Neubau zugunsten des Bestands zunehmend aus dem Fokus gerät, bietet diese Technologie die Möglichkeit, vorhandene Gebäude langfristig effizient und komfortabel zu nutzen.

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