Sauberer Abbrand in Holzpelletfeuerung

Heiztechniklösung ohne Feinstaubdiskussion

Dass Abwärme und ein Teil der Schadstoffe aus dem Abgas zurückgeholt werden können, zeichnet Brennwerttechnik aus. Sie ist auch bei Pelletfeuerungen längst ein technischer Standard. Zur Reinhaltung der Luft gibt es eine zusätzliche Option, wenn die Verbrennung ohne Flamme geschieht und Feinstaub im Abgas erst gar nicht entsteht. Die folgende Objekt-reportage beschreibt beide Aspekte einer Heizungstechniklösung mit Holzpellets in einem Vereinsheim in Donaueschingen.

Wäre der Neubau des Vereinsheims in Donaueschingen Teil eines Umwelt-Wettbewerbs unter Fußballclubs, würde der SSC schon mit drei Toren in Führung liegen. Das erste: Die Konstruktion des Gebäudes besteht aus einheimischem Nadelholz. Das zweite: Es ist ein Pilotprojekt beim Umgang mit Regenwasser (s. tab 4/24).

Ähnlich die Heizungstechnik im Gebäude des SSC, das dritte Tor bzw. ökologische „Highlight“. Sie entspricht den Zielen der Nationalen Luftreinhaltungsstrategie und übertrifft die Vorgaben der zweiten Stufe der ersten Bundes-Immissionsschutz-Verordnung (BImSchV), die zum 1. 1. 2025 in Kraft tritt.

„Aus heutiger Sicht hat das einen futuristischen Touch. In 10 Jahren jedoch wird Umwelttechnik wie diese von den Behörden im Zuge der Baugenehmigung eingefordert“, ist Martin Lienhard überzeugt. Als Leiter der technischen Abteilung der ortsansässigen Firma Mall kennt er die Pellet- und Regenwasserbranche seit Jahrzehnten. Mall hat bei diesem Objekt die Lager- und Entnahmetechnik sowohl für die Regenwasserbewirtschaftung als auch für den Brennstoff Holzpellets geliefert und montiert.

Luftreinhaltung ohne Feinstaub-Filter

Während andere Holzheizsysteme Elektrofilter zur Reduktion von Staubemissionen einsetzen, kann die Pelletfeuerung im Vereinsheim des SSC Donaueschingen mit effektiven und einfachen Maßnahmen den Feinstaub nahezu komplett vermeiden. Die Besonderheit ist zum einen die spezielle Verbrennungstechnik, die eine Flammenbildung unterdrückt, und zum anderen die unterteilte Rückführung des Verfeuerungsabgases in die Primärluft sowie in die Hochtemperatur-Ausbrandzone. Übrig bleibt nur Wärme und gereinigtes Abgas. Anbieter dieser als „Zero Flame“ bezeichneten Verbrennungstechnik am Markt ist der Pelletkesselhersteller Ökofen. Laut Hersteller gelingt es damit, den Feinstaub auch ohne Zuhilfenahme eines Filters auf unter 2,5 mg/m3 zu senken. Diesen Wert einzuhalten bzw. zu unterschreiten ist seit 1. 1. 2024 Voraussetzung, um im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen (BEG EM) eine zusätzliche Förderung zu erhalten (s. Infokasten).

Praxisnahe Tests

„Der 9-stündige Lastzyklustest, der Start-, Stopp- und modulierende Phasen berücksichtigt, simuliert den Heizungsbetrieb über ein ganzes Jahr. Auch bei sich verändernder, sogenannter dynamischer Leistungsabnahme bleibt der durchschnittliche Emissionswert unseres Zero Flame-Heizkessels deutlich unter der zulässigen Messunsicherheit bei Praxismessungen“, sagt Lothar Tomaschko, geschäftsführender Gesellschafter der Ökofen Deutschlandzentrale, und ergänzt: „Prüfberichte vergleichbarer Heizkessel erreichen ebenso gute Werte, jedoch oft nur bei statischer Leistungsabnahme unter besten Bedingungen – das heißt im Moment der Prüfung, und nicht im laufenden Betrieb, wie es der vom TÜV Austria für uns durchgeführte Lastzyklustest zeigt.“

Zero Flame, plus Brennwert

Die Brennwerttechnik nutzt die mit der Verbrennungsluft entweichende Wärme durch einen Wärmetauscher und kondensiert dabei den enthaltenen Wasserdampf. Bei der Kondensation entsteht Wasser. Aus diesem Phasenübergang gasförmig/flüssig wird so genannte Latent-Wärme frei, die für die Heizung genutzt werden kann. Das wird kombiniert mit der Feuerungstechnik Zero Flame. Beide Verfahren laufen leise innerhalb des Heizkessels ab, der nach Bedarf automatisch im unterirdischen Brennstofflager Holzpellets ansaugt. Er verwandelt diesen Brennstoff in Heizwärme und reduziert ohne Filter den Feinstaub durch Nachverbrennung soweit, dass er kaum mehr messbar ist.

Der hier beschriebene „Pellematic Condens“ von Ökofen liegt bei lediglich 0,5 mg/m3 bei Nennlast 10 kW, und bei durchschnittlich 2,0 mg/m3, bezogen auf 13 % O2 im Lastzyklustest. Im Vergleich zu Standard-Pelletkesseln holt die im SSC-Vereinsheim installierte Brennwertvariante laut Produktinformation im Idealfall 16,3 % mehr Wärme aus Abgas und kondensiertem Wasserdampf. Daraus resultiert eine nennenswerte Effizienzsteigerung und für die Betreiber bis zu 15 % Heizkostenersparnis.

Finanzielle Förderung: Emissionsminderungs-Zuschlag vom Bund

Beim Heizungstausch in Bestandsgebäuden gibt es seit 1.1. 2024 gemäß Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) 2.500 € extra für die Installation einer Holzheizungsanlage, die höchstens 2,5 mg Staub pro m³ Abgas emittiert. Dieser Zuschlag kommt unabhängig vom Fördersatz hinzu, wird vom Höchstfördersatz also ggf. nicht gekappt. Bei welchen Anlagen der Zuschlag gezahlt wird, ist der Liste der förderfähigen Holzheizungsanlagen zu entnehmen. Der Fördersatz wird immer auf die förderfähigen Kosten bezogen (Bruttokosten, einschließlich MwSt). Dabei gelten Höchstbeträge, die gefördert werden können. Werden ergänzend Förderprogramme von Ländern oder Kommunen genutzt, wird der Gesamtfördersatz bei 60 % gedeckelt (nur bei kommunalen Antragstellern 90 %).

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