Arbeitsauftrag Energie-Plushaus
Ein Gebäude, das mehr nutzbare Energie erzeugt, als es benötigt, ist realisierbar. Man spricht dann von einem Plusenergiehaus oder Energieplushaus. Die Voraussetzungen dafür wurden im Rahmen eines internationalen Presseforums, das von Bosch Thermotechnik veranstaltet wurde, erläutert.
Es gibt zwei mögliche Wege, ein Energie-Plushaus zu erhalten:
1. der Energiebedarf des Gebäudes wird abgesenkt,
2. es wird auf regenerativen Weg möglichst viel Strom und Wärme erzeugt.
Beide Wege für sich allein genommen sind nicht zielführend. Weder ist ein unsanierter Altbau, in dem jeder Quadratzentimeter mit Photovoltaikmodulen zugepflastert wird, sinnvoll, noch ein absolut dichtes Gebäude, in dem möglichst nur noch Kaltwasser verbraucht und jeder Stromkomfort ausgeschlossen wird, ein praktikabler Weg.
Um ein Energie-Plushaus zu erhalten, das seinen Namen verdient und den Benutzerwünschen gerecht wird, müssen beide Wege beschritten werden. Dazu muss dem Energieverbrauch eines Gebäudes, gemessen in Form des primären Energiebedarfs für Heizung, Warmwasser und Strom, ein entsprechender Energiegewinn gegenüberstehen. Dieser Energiegewinn lässt sich in Form von Strom über Photovoltaik oder auch KWK erzielen. Damit bräuchten Häuser zukünftig nicht mehr als Energieverbraucher gesehen zu werden. Oder wie es auf dem im Haus Heidehof in Stuttgart veranstalteten Forum hieß: „Das Gebäude wird von der Kostenstelle zu einer Erlösquelle.“
Damit diese Vision nicht nur in wenigen Vorzeigeobjekten sondern bei möglichst vielen Gebäuden Wirklichkeit werden kann, sieht Uwe Glock, Vorsitzender des Bereichsvorstands Bosch Thermotechnik, das Aufgabenspektrum für die Unternehmen der Heiztechnikbranche wachsen: „Das Geschäftsfeld von Heizung und Warmwasser wird sich deutlich ausweiten. Es kommen Lüftung und Klimatisierung sowie das dezentrale Energiemanagement hinzu.“
Bei einem zukunftsfähigen Gebäude wird damit nicht mehr der Wärmebedarf, sondern der Warmwasserbedarf die entscheidende Größe für die Auslegung einer Systemlösung sein. Dabei ist ein Energie-Plushaus wirtschaftlich nicht energieautark zu betreiben. Es wird weiterhin eines Netzes bedürfen, das, wenn nicht als Energielieferant, dann als Energiespeicher dienen wird, dem je nach Bedarf Energie zugeführt oder entnommen wird.
Für die Planung eines Energie-Plushauses ist ein ganzheitlicher Planungsansatz notwendig, der Gebäudehülle, die Gebäudetechnik und die Stromerzeugung berücksichtigt. Dazu müssen alle an einem Bau Beteiligten inhaltlich und planerisch noch näher zusammenrücken. Dies machte Miriam Asbeck deutlich, die bei Bosch Thermotechnik als Projektleiterin das Thema Energie-Plushaus betreut. Wie ein solches Gebäude aussehen kann, zeigt das Projekt „Eco-plus-home“ in Kanada, bei dem eine sechsköpfige Familie ein vorgefertiges Gebäude, wie dies in Nordamerika durchaus üblich ist, bezogen hat und nun Erfahrungen damit sammeln darf. Bei einer Live-Schaltung zeigte sich der Hausherr zufrieden und brachte das zum Ausdruck, was wohl noch viele als mögliches Hindernis ansehen: „Wenn wir unsere gewohnte Lebensweise für die Nutzung eines Energie-Plus-Hauses ändern müssten, würde das zu Akzeptanzproblemen führen.“ Das einzige, was sich in seinem Leben seit dem Bezug des „Eco-plus-home“ geändert habe, sei, dass die Familie nun viel häufiger Besuch habe. Und dies nicht nur durch Nachbarn, sondern auch übers Internet. Davon und von der Zufriedenheit der Bewohner kann man sich unter www.ecoplushome.com überzeugen.